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Einer
gegen den Trend
1989 Riesling Auslese halbtrocken
von Caspari-Kappel
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Die Weinbereitung ist
weltweit perfektioniert worden. Das hat dazu geführt, dass sich
Weine - gleichgültig, ob sie in Deutschland, Frankreich,
Kalifornien, Chile oder Südafrika erzeugt werden - immer mehr ähneln,
weil die Wege zu einem perfekten Geschmacksbild international
standardisiert worden sind. Weinschreiber, Weinautoren und
Weinfans beklagen sich zunehmend über Standardisierung und
Nivellierung. Die Menge der Verbraucher aber goutiert das Ergebnis
dieses perfekten Weinmachens: Weine, die, kaum dass sie auf der
Flasche sind, auch schon trinkfertig erscheinen, gefällig und
gewissermaßen stromlinienförmig.
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Reife Rieslinge, die früher
einmal das Nonplusultra waren, haben in diesem Umfeld nichts zu
suchen. Es gibt jedoch Ausnahmen. Eine davon ist das
traditionsreiche Familienweingut (Caspari-Kappel im Moselort
Enkirch. Dort lagern im bilderbuchschönen Kreuzgewölbekeller
auch ältere Weine, die immer noch auf der aktuellen Karte
stehen und zu äußerst moderaten Preisen zum Kauf angeboten
werden. Die beiden Weinmacher Thomas Caspari und Frank Gibbert
erzeugen unter anderem einen höchst lebendigen, rassigen und
fruchtigen „Caspari trocken“ - modern auch in der
Ausstattung.
Daneben aber kultivieren sie eine Linie älterer, feinherber
Weine, die durchaus ihre Ecken und Kanten haben, jedenfalls viel
Profil und viel Eigenart. Im Augenblick läuft das im
Geschmacksbild noch „voll gegen den Trend“, aber - wie
gesagt - hier macht sich ein langsamer Wandel auch in der Öffentlichkeit
bemerkbar.
DAS ANBAUGEBIET
Mosel-Saar-Ruwer ist traditionell für die hohe Reifefähigkeit
seiner Rieslingsweine bekannt. In jüngerer Zeit muss man hier
jedoch Abstriche machen: Die schnell geschmacksfertigen Weine
unserer Zeit munden zwar bereits im ersten Jahr nach ihrer Abfüllung,
haben mit der Reife jedoch häufig ihre Probleme. Grundsätzlich
aber ist ein Moselriesling mit ordentlicher - sprich rassiger -Säure
in der Lage, selbst bei leichten Qualitäten unter 10 vol. %
Alkohol ohne weiteres mit Anstand zehn Jahre zu reifen und dann
noch wunderbar trinkfähig zu sein - bei den höchsten Qualitäten
auch zwanzig, dreißig oder fünfzig Jahre.
DIE
REBSORTE
Nach
Jahren des dominierenden Chardonnay erlebt der Riesling derzeit
eine Renaissance, Das ist unschwer abzulesen an den
Rieslingsanteilen in deutschen Anbaugebieten, insbesondere an
der Mosel, wo der Trend in einem Satz zu skizzieren ist: Weg von
den Neuzüchtungen, hin zum Riesling! Es ist aber auch erkennbar
an den Neuanpflanzungen in anderen Ländern. Selbst in Südafrika,
Australien, Neuseeland und Chile entdeckt man den Riesling
genauso wie im Napa Valley. Während er derzeit (vor allem in Österreich)
am liebsten frisch (resch) getrunken wird, erwarten Experten in
den nächsten Jahren jedoch bei einem Teil der Weintrinker die Rückbesinnung
auf reife Rieslingsweine.
DER WEIN
Nach dem Öffnen der
immerhin elf Jahre alten Flasche zunächst ein Duft nach Birne
und Edelkastanien-Honig mit ein wenig Eukalyptus dabei -
Komponenten, die auch im Geschmack wiederkehren. Später dann,
und das macht ihn sicherlich für viele Weinfreunde
problematisch, eine kräftige Prise des früher sehr bekannten,
heute aber nicht mehr beliebten Petrol-Tones bis hin zum
Benzingeruch. Der aber verfliegt wieder bei Temperaturen um 10
°C, und so gut gekühlt ist er auch ideal zu genießen und
entfaltet sein besonderes, in einem Jahrzehnt gewachsenes
Geschmacksbild - mit der Herausforderung, sich
hineinzuschmecken.
SPEISEEMPFEHLUNG
Der nach internationalem Maßstab sehr
leichte Wein (9,5 vol. % Alkohol) ist äußerst bekömmlich und
passt gut zu verschiedenen Appetithappen, süß-sauren
Vorspeisen, zu Lauchkuchen, Pizzen, zur Brotzeit oder auch als
„Wein vor dem Essen“.
BEZUGSQUELLE ÜBER:
Weingut
Caspari-Kappel
Am Steffensberg 29
56850 Enkirch
Telefon: 0 65 41 / 63 48
Telefax: 0 65 41 / 16 28
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